Oper 2025

Münstermann Festival

📅 5. Oktober – 29. November 2025

Selbst in Zeiten des Dreißigjährigen Krieges – und das sind auch die Schaffensjahre des Bildhauers Ludwig Münstermann – fanden an den Höfen der protestantischen Fürsten des Deutschen Reiches prächtige und aufwendige Festlichkeiten statt, insbesondere zu den Hochzeiten verbündeter Häuser.

Auf Schloss Hartenfels in Torgau wurde im Jahre 1627 die Vermählung des hessischen Landgrafen Georg II. mit der sächsischen Prinzessin Sophie Eleonore gefeiert. Der Brautvater, Kurfürst Johann Georg I., beauftragte zu diesem Anlass seinen berühmten Hofkapellmeister Heinrich Schütz mit der Komposition eines neuen musiktheatralischen Werkes, genannt „Oper", das alle darstellenden Künste – Sprache, Gesang, Architektur und Malerei – vereinen sollte und sich gerade in Italien zu entwickeln begann. So entstand „Dafne" als erste deutsche Oper. Die Handlung bezieht sich auf die griechische Mythologie, bekannt ist sie den meisten aus den „Metamorphosen" Ovids. Das deutsche Libretto stammt aus der Feder des „ersten deutschen Poeten" Martin Opitz und blieb erhalten, während die Musik verschollen ist.

In den letzten Jahren wurde die Musik zur „Dafne" rekonstruiert und konnte mit großer Anteilnahme an verschiedenen Orten zur Aufführung gebracht werden. Die Fassung von Roland Wilson dient nun in Oldenburg als Grundlage zu einer Wiederaufführung im Oldenburger Schloss.

Die im Jahre 1635 lang ersehnte Hochzeit des Grafen Anton Günther bildet den Hintergrund für die Illusion, dass „Dafne" auch in Oldenburg zur Aufführung hätte kommen können. Ein weiterer Anlass ist die Ausstellung im Landesmuseum zum Werk Ludwig Münstermanns. Er wirkte zu Schütz' Lebzeiten im Oldenburger Land. Eine Aufführung der Oper im Festsaal des Schlosses möchte die überregional vernetzte nordeuropäisch-protestantische Kunst- und Kulturlandschaft vor Augen und Ohren führen.

Ein solches Projekt kann nur durch das Zusammenspiel vieler Partner möglich werden. Die beteiligten Produzenten – darunter die Münstermann-Gesellschaft, das Landesmuseum und Forum Neue Kunst – haben ihre Kräfte gebündelt, um dieses Festival zu realisieren. Eine besondere Rolle spielte dabei Forum Neue Kunst, das wesentliche künstlerische und organisatorische Strukturen geschaffen und die Kooperation aller Beteiligten ermöglicht hat.

Die musikalische Leitung liegt in der Hand der Geigerin Veronika Skuplik. Mit ihrer tiefen musikalischen Ausdruckskraft und stilistischen Expertise zählt sie zu den herausragenden Interpretinnen und Dozentinnen der Alten Musik-Szene. Dank ihrer inspirierenden Arbeit entstand zudem eine Konzertreihe, die in ausgewählten Münstermann-Kirchen aufgeführt wird.

Die künstlerische Leitung des Festivals liegt bei Nicholas Tamagna, international renommiertem Countertenor und ausgewiesenem Barock-Spezialisten. In seiner Funktion als Erster Vorsitzender von Forum Neue Kunst hat er gemeinsam mit den Partnerorganisationen das Konzept des Festivals entscheidend mitgestaltet. Seine umfassende Erfahrung im Bereich der historischen Aufführungspraxis bringt er nicht nur in die Leitung ein, sondern auch unmittelbar auf die Bühne: Als Sänger freut er sich darauf, selbst in der „Dafne" aufzutreten und so die Brücke zwischen künstlerischer Leitung und praktischer Umsetzung zu schlagen.

Ein drittes künstlerisches Feld öffnet sich durch die zeichnerisch-malerischen Arbeiten der in Oldenburg lebenden Künstlerin Katrin Schöß. Sie werden in einer Sonderausstellung im Pfeiler-Rund der ehemaligen Hof- und Residenzkirche St. Lamberti gezeigt. Da ihre Werke beim Betrachter spontan musikalische Assoziationen, vor allem tänzerischer Natur, hervorrufen, lag der Gedanke nahe, diese mit einer der wohl inspirierendsten Kompositionen der Münstermann-Zeit zu verbinden: der „Terpsichore" von Michael Praetorius.

Bedeutung

Der Durchbruch für das Forum Neue Kunst – die erste vollprofessionelle Opernproduktion auf Schloss Oldenburg und der Startschuss für ein Konzertreihenfestival.

Festivalprogramm

"Kröger"-Orgel & "Münstermann"-Altar (um 1640)

05.10.2025, 17:00 St. Aegidius-Kirche, Berne

Kreiskantorin Natalia Gvozdkova, Orgel

Der Chorraum von St. Aegidius birgt einen Münstermann-Entwurf aus dem Jahr 1637, umgesetzt von Albrecht Wulff – ein Altaraufsatz, der gotische Architektur und manieristische Bildsprache in lebendige Spannung versetzt. Natalia Gvozdkova, deren künstlerischer Fokus auf historischem Orgelspiel liegt, lässt diese einzigartige Verbindung von Klang und Form aufleuchten.

Mit ihrem einfühlsamen Repertoire, das ihre Liebe zur Frühbarockmusik spürbar macht, verbindet sie Klangfarben und historische Räumlichkeit. In diesem Konzert eröffnet sie ein sakrales Gespräch zwischen Orgelklang und der plastischen Tradition Münstermanns – eine ästhetische Symbiose, zart und erhaben.

Mitwirkende

Natalia Gvozdkova – Orgel
Mit kunst-theologischen Anmerkungen von P. Tom O. Brok

Freie Platzwahl – 100 Plätze

Dafne – von Heinrich Schütz

11.–12.10.2025, 17:30 Schlosssaal, Landesmuseum Schloss Oldenburg

Aufführung auf Grundlage der Rekonstruktion Roland Wilsons, mit Ergänzungen von Veronika Skuplik

Die „Dafne" von Heinrich Schütz gilt als die wahrscheinlich erste deutschsprachige Oper überhaupt – ein Pionierwerk, das nur in Fragmenten überliefert ist. Basierend auf dem Libretto von Martin Opitz und inspiriert von italienischen Vorbildern, erzählt das Werk die mythische Geschichte der Nymphe Dafne und des Gottes Apollo. In einer sorgfältigen Rekonstruktion von Roland Wilson – ergänzt durch klangliche und dramaturgische Neudeutungen von Veronika Skuplik und Nicholas Tamagna mit Bühnenbild von Katrin Schöß und Kostüme von Kerstin Druivenga-Kreitsmann – wird dieses Schlüsselwerk der Frühbarockmusik neu zum Leben erweckt.

Mitwirkende

Besetzung
Dorota Szczepańska – Dafne
Maximilian Vogler – Apollo
Elena Harsányi – Venus
Nicholas Tamagna – Cupido
Michel Gattwinkel – Hirtenchor
Stina Raupers – Hirtenchor
Miguel Callejas – Hirtenchor

Ensemble UrgentMusic
Veronika Skuplik – Violine, musikalische Leitung
Maria Carrasco – Violine
Alice Vaz – Viola
Florian Schulte – Viola
Christian Heim – Viola da Gamba, Violone, Blockflöte
Eva-Maria Horn – Dulzian
Barbara Heindlmeier – Cornetto, Blockflöte
Matthijs van der Moolen – Posaune
Robert Hernandez – Posaune
Joost Swinkels – Posaune
Elisabeth Seitz – Psalterion
Barbora Hulcova – Chitarrone
Jörg Jacobi – Cembalo

Künstlerisches Team
Nicholas Tamagna – Regie
Veronika Skuplik – Musikalische Leitung
Katrin Schöß – Bühnenbild
Kerstin Druivenga-Kreitsmann – Kostüme

musica est divinum donum

08.11.2025, 18:00 St. Laurentius, Langwarden

St. Laurentius ist mit Münstermanns Werkstatt verbunden; Konsolköpfe und Bildwerke sind heute Teil des Landesmuseums.

Veronika Skuplik, international gefragte Barockgeigerin und prägende Musikerin im Bereich historischer Aufführungspraxis, verbindet sich hier mit Krzysztof Urbaniak, einem der führenden Organisten seiner Generation und Professor für historische Orgel in Bremen. Gemeinsam lassen sie das Motto „Musica est divinum donum – Musik ist eine göttliche Gabe" in Klang und Raum erfahrbar werden. Ergänzt wird das Konzert durch kunst-theologische Einführungen von P. Tom O. Brok.

Mitwirkende

Veronika Skuplik – Violine
Krzysztof Urbaniak – Orgel
Mit kunst-theologischen Anmerkungen von P. Tom O. Brok

Freie Platzwahl – 100 Plätze

Verkündigung · Abendmahl · Kreuzigung

23.11.2025, 18:00 Schlosskirche, Varel

Große Beachtung bekam in der Passionszeit 2021 in der Oldenburger Lambertikirche ein besonderes Format: „Musik – Malerei – Meditation". Im Zentrum standen ausgewählte Sonaten des Rosenkranz-Zyklus des österreichischen Komponisten Heinrich Franz von Biber, gespielt von der Geigerin Veronika Skuplik. Katrin Schöß spürte den Affekten und Themen der Kompositionen nach und ließ so gleichzeitig Gemälde entstehen.

Für Varel greifen die beiden Künstlerinnen ihre Idee wieder auf. Passend zu Verkündigung – Abendmahl – Kreuzigung, Arbeiten des berühmten Holzschnitzers Ludwig Münstermann, werden nicht nur Violinsonaten, sondern vom Organisten Jörg Jacobi auch Werke für Orgel-Solo musiziert. Tom Brok erläutert Werke Münstermanns.

Programm

Verkündigung
Heinrich Ignaz Franz von Biber – „Verkündigung"
Samuel Scheidt – „Magnificat"
Heinrich Ignaz Franz von Biber – „Darstellung im Tempel"

Abendmahl
Johann Ulrich Steigleder – Toccata über „Vater unser"

Kreuzigung
Manuskript Klagenfurt (um 1680) – Preludium · Allemanda · Sarabande
Heinrich Ignaz Franz von Biber – „Kreuzigung"

Den Teufel überwunden / Triumph
Georg Reutter d. Ä. – „Christ ist erstanden"
Andreas Oswald – Sonata à violino solo in D

Mitwirkende

Veronika Skuplik – Violine
Jörg Jacobi – Orgel / Cembalo
Katrin Schöß – Malerei
Tom Brok – zu Münstermann

Freie Platzwahl – 100 Plätze

Also hat Gott die Welt geliebt

29.11.2025, 18:00 St. Matthäus-Kirche, Rodenkirchen

Mit dem Programm „Also hat Gott die Welt geliebt" richten wir den Blick auf die prachtvolle Kanzel der St. Matthäus-Kirche in Rodenkirchen von Ludwig Münstermann. Zwei der Frauengestalten der Kanzeltreppe, die die fünf Sinne darstellen, nämlich „Auditus" und „Visus", das Hören und Sehen, können für das Konzept stehen, nämlich nicht nur die visuelle, sondern auch eine musikalische Betrachtung von Details der Kanzel.

Nach Luthers „Dies sind die heil'gen zehn Gebot", Bezug nehmend auf Moses mit den Gesetzestafeln am Fuß der Kanzel, führen Kompositionen von Zeitgenossen Münstermanns über seine Darstellung der Verkündigung Mariae und an die Hirten zum Abendmahl und Jesu Kreuzigung zu seiner Auferstehung.

Programm

Gesetz und Gnade
William Brade – Paduana
Martin Luther – „Dies sind die heil'gen zehn Gebot"
William Brade – Galliard

Verkündigung Mariae und an die Hirten
Michael Praetorius – „Ingressus Angelus"
„Ecce Maria"
„Resonet in laudibus"

Abendmahl
Heinrich Schütz – „Aller Augen warten auf dich Herre"
J. Hermann Schein / Dietrich Buxtehude – „Vater unser"

Kreuzigung
Heinrich Schütz – „Da Jesus an dem Kreuze stund" (introitus und conclusio)
Samuel Scheidt – Pavana dolorosa

Auferstehung
Choral – „Christ ist erstanden"
Samuel Scheidt – „Christ lag in Todesbanden"
Heinrich Schütz – „Also hat Gott die Welt geliebt"
„Verleih uns Frieden gnädiglich"

Mitwirkende

Solist*innen & Continuo
Malwine Nikolaus – Sopran
Kay-Philipp Fuhrmann – Tenor
Jörg Jacobi – Orgel / Cembalo

Bremer Barock Consort der Hochschule für Künste Bremen
Anahita Kanzhadeh
Tuuli Korte
David Favila
Alice Stoye

Leitung
Veronika Skuplik – Violine, Musikalische Leitung
Anna Heinze – kunsthistorische Anmerkungen

Freie Platzwahl – 100 Plätze

Produktionsteam

Nicholas Tamagna, Regie und Festivalleitung
Brianna Meese, Regieassistenz und Verwaltung
Veronika Skuplik, Dirigentin
Katrin Schoess, Bühnenmalerin

Mitwirkende

Gefördert durch

Das Münstermann Festival wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung von NDR Kultur, der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg, der LzO-Kulturstiftung, der Stadt Oldenburg und der Oldenburgischen Landschaft.

Künstlerische Leitung: Nicholas Tamagna Musikalische Leitung: Veronika Skuplik Partner: Münstermann-Gesellschaft e.V., Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg

Video

Presse & Rezensionen

Gefördert durch

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